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Wenn Gefühle den Blick verengen 💜

  • Autorenbild: Dorothee Kmitta
    Dorothee Kmitta
  • 26. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Gestern hatte ich ein intensives Gespräch, das mich noch lange beschäftigt hat. Dabei wurde mir wieder bewusst, wie leicht wir Menschen uns in unseren eigenen Gefühlen verlieren können. Das ist völlig normal. Wir erleben Situationen aus unserer eigenen Perspektive, tragen unsere Erfahrungen mit uns und versuchen, mit unseren Gedanken und Emotionen zurechtzukommen.


Genau darin liegt jedoch manchmal die Schwierigkeit. Während jede Seite versucht, ihre eigenen Gefühle zu verstehen, gerät die Perspektive des anderen immer mehr in den Hintergrund. Statt offen miteinander zu sprechen, werden Gedanken und Sorgen häufig mit sich selbst ausgemacht. Es entstehen Annahmen, Missverständnisse und Unsicherheiten, die sich mit der Zeit immer weiter verfestigen.


In dem Gespräch gestern wurde deutlich, dass sich die Situation nicht deshalb festgefahren hatte, weil die Beteiligten einander verletzen wollten. Ganz im Gegenteil. Beide nahmen große Rücksicht auf die Gefühle des anderen und wünschten sich, nichts falsch zu machen. Genau dadurch entstand jedoch eine Unsicherheit, die offene Gespräche immer schwieriger machte. Erst als wir gemeinsam die Perspektive wechselten und die Gedanken sowie Gefühle beider Seiten betrachtet haben, entstand wieder Verständnis füreinander. Plötzlich ergaben Verhaltensweisen einen Sinn, die zuvor vor allem Fragen und Unsicherheit ausgelöst hatten.


Genau darin sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben im Counseling. Es geht nicht darum, zu entscheiden, wer Recht hat oder wer falsch liegt. Es geht darum, Menschen dabei zu unterstützen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und die Welt für einen Moment durch die Augen des anderen zu betrachten.


Natürlich ist es wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und für sich selbst einzustehen. Gleichzeitig entstehen echte Verbindung und gegenseitiges Vertrauen oft erst dann, wenn wir bereit sind, auch die Sichtweise unseres Gegenübers zu verstehen. Aus diesem Verständnis heraus wird ehrliche Kommunikation überhaupt erst möglich.


Manchmal gelingt dieser Perspektivwechsel allein. Manchmal sind die eigenen Gefühle jedoch so präsent, dass der Blick auf die andere Seite verloren geht. In solchen Momenten kann eine außenstehende Person helfen, beide Perspektiven sichtbar zu machen und den Raum für ein neues gegenseitiges Verständnis zu öffnen. Genau das ist einer der Gründe, warum ich Counseling so wertvoll finde.

 
 
 

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