
Soulfood
- Dorothee Kmitta

- 16. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Gestern Abend hatte ich Lust auf Kekse.
Beim backen probiere ich gerne neue Dinge aus und ich hatte Kokosmehl zu Hause. Also habe ich mich in die Küche gestellt und damit einfach etwas ausprobiert. Herausgekommen sind Kokos-Vollkorn-Dinkel-Kekse, die tatsächlich richtig lecker geworden sind. Und als ich mir hinterher die Zutaten noch einmal angesehen habe, musste ich feststellen, dass sie, bis auf den Zucker, sogar ziemlich gesund waren.
Aber darum soll es heute eigentlich gar nicht gehen.
Es soll nicht darum gehen, wie viele Kalorien ein Keks hat, ob Zucker gut oder schlecht ist oder ob wir Lebensmittel in „gesund“ und „ungesund“ einteilen sollten.
Denn Essen ist viel mehr als reine Nahrungsaufnahme.
Natürlich brauchen wir Nahrung, um unseren Körper mit Energie und Nährstoffen zu versorgen. Aber Essen begleitet uns Menschen schon immer auf eine sehr viel umfassendere Weise. Früher verbrachten Menschen einen großen Teil ihres Tages damit, Nahrung zu suchen, zu sammeln, zu jagen und zuzubereiten. Heute haben wir es in dieser Hinsicht wesentlich leichter. Gleichzeitig ist Essen dadurch für viele von uns zu etwas geworden, das irgendwie nebenbei stattfinden muss.
Schnell etwas auf dem Weg zur Arbeit. Ein Snack zwischen zwei Terminen. Das Abendessen neben dem Fernseher oder während wir noch etwas anderes erledigen.
Dabei kann Essen so viel mehr sein.
Ein selbstgekochtes Essen, für das wir uns bewusst Zeit genommen haben. Ein gemeinsames Abendessen mit Menschen, die uns wichtig sind. Der Geruch eines Gerichts, das uns an unsere Kindheit erinnert. Oder eben ein Teller mit frisch gebackenen Keksen, auf die wir gerade einfach richtig Lust hatten.
Essen kann Genuss sein. Essen kann Gemeinschaft sein. Essen kann Geborgenheit bedeuten. Und manchmal kann Essen auch einfach etwas sein, das unserer Seele in diesem Moment guttut.
Für mich ist genau das Soulfood.
Und Soulfood muss nicht zwangsläufig das sein, was auf irgendeiner Liste besonders gesund aussieht. Es kann ein Salat sein, eine warme Suppe, ein liebevoll gekochtes Abendessen oder eine richtig gute Pizza. Und manchmal kann es sogar einfach ein Besuch im Fastfood-Restaurant sein. Denn manchmal tut es unserer Psyche gut, einfach etwas zu genießen. Und wenn es ein Standardburger ist.
Natürlich sollte das nicht die Regel werden. Denn unser körperliches und unser psychisches Wohlbefinden hängen stark miteinander zusammen. Und wo unser Geist Dinge braucht, die ihm guttun, braucht unser Körper ausreichend Energie und gute Nährstoffe.
Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur darauf achten, womit wir unseren Körper füllen, sondern auch darauf, womit wir unseren Geist und unsere Seele füllen.
Mit ausreichend Nährstoffen. Mit positiven Erfahrungen. Mit Genuss. Mit Gemeinschaft. Mit Ruhe. Mit Dingen, die uns Kraft geben.

Und manchmal vielleicht auch mit einem frisch gebackenen Kokos-Vollkorn-Dinkel-Keks.
Denn Soulfood ist kein Produkt, das man kaufen kann.
Soulfood ist etwas, das man erlebt.




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