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Empathie und Social Media

  • Autorenbild: Dorothee Kmitta
    Dorothee Kmitta
  • 2. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

In den letzten Monaten ist mir etwas aufgefallen, das mich immer wieder beschäftigt.

In vielen Gruppen- und Einzelgesprächen in meinem privaten Umfeld ist es auf der digitalen Ebene häufig zu Konflikten gekommen, die vielleicht hätten vermieden werden können. Man könnte fast meinen, dass wir immer weniger Empathie füreinander empfinden.


Nicht Social Media ist das Problem, sondern die fehlende Bereitschaft, sich in den anderen hineinzuversetzen.

Wir sitzen auf einer Seite des Bildschirms und schreiben einen Kommentar oder eine Nachricht. Auf der anderen Seite sitzt ein Mensch, den wir nicht sehen. Häufig fehlen Mimik, Gestik oder Tonfall. Somit bemerken wir nicht, welche Gefühle zu dem Gesagten geführt haben, und wir merken auch nicht, was unsere eigenen Worte vielleicht auslösen.



Ich habe den Eindruck, dass wir dabei oft nur bei uns selbst sind.

Wir möchten unsere Sicht erklären, unsere Meinung äußern oder unserem Ärger Luft machen. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

Aber wir nehmen uns immer seltener die Zeit, wirklich darüber nachzudenken, warum der andere etwas geschrieben hat oder wie seine Lebensgeschichte zu seiner Sichtweise geführt haben könnte.

Genau das führt meiner Meinung nach immer häufiger zu Konflikten.

Menschen fühlen sich nicht gehört, missverstanden oder ausgeschlossen. Aus einem kleinen Missverständnis wird eine hitzige Diskussion, obwohl viele dieser Konflikte vielleicht gar nicht entstanden wären, wenn beide Seiten sich einen Moment Zeit genommen hätten, einander wirklich zuzuhören.


Empathie bedeutet für mich nicht, dass ich mit jedem Menschen einer Meinung sein muss oder jedes Verhalten gutheiße. Ganz im Gegenteil.

Empathie bedeutet für mich, den ehrlichen Versuch zu unternehmen, zu verstehen warum ein Mensch denkt, fühlt und handelt, wie er es tut.


Genauso arbeite ich auch in meiner Beratung.

Wenn Menschen mit einem Konflikt zu mir kommen, versuche ich nicht herauszufinden, wer Recht hat. Stattdessen versuche ich, mich in beide Seiten hineinzuversetzen. Ich möchte verstehen, warum jede Person ihre Situation so erlebt, wie sie sie erlebt.

Denn häufig verändert sich schon etwas, wenn Menschen merken, dass ihre Gefühle und ihre Perspektive ernst genommen werden und sie einen Einblick bekommen, warum die andere Person so reagiert, wie sie es tut.


Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Empathie füreinander entwickeln.

Dass wir uns häufiger fragen, was den anderen Menschen zu seiner Sichtweise gebracht haben könnte.

Ich glaube nicht, dass dadurch alle Konflikte verschwinden würden. Aber ich glaube, dass unsere Welt dadurch ein kleines Stück freundlicher werden könnte

 
 
 

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