
Bunte Welt

Vielleicht ist dem einen oder anderen aufgefallen, dass es in letzter Zeit etwas ruhiger auf meinem Blog war. Das lag unter anderem daran, dass ich Urlaub gemacht habe. Zum einen war ich in Berlin, eine Woche später dann auf dem Festival-Mediaval.
Aus Berlin habe ich unglaublich viele Eindrücke mitgenommen. Eindrücke, die teilweise kaum gegensätzlicher hätten sein können.

Auf der einen Seite sieht man in Berlin Menschen, die offensichtlich kein Zuhause haben. Menschen, die auf der Straße schlafen oder um Geld bitten. Man begegnet Situationen, die einen beschäftigen und bei denen man sich fragt, was wohl passiert sein muss, dass ein Mensch an diesem Punkt seines Lebens angekommen ist.
Mitten am Tag sah ich beispielsweise einen Mann vor einer S-Bahn-Station, der sich dort, vollkommen selbstverständlich inmitten der vorbeilaufenden Menschen, die Haare abrasierte.
In einer anderen Nacht bat ein junger Mann in der Bahn um Geld. Er sagte, dass er nicht wisse, ob er den nächsten Tag in seinem derzeitigen Zustand überhaupt überleben würde.

In solchen Situationen merke ich immer wieder, wie hilflos ich manchmal bin.
Nicht, weil ich grundsätzlich nicht helfen möchte oder nicht helfen könnte, sondern weil meine Möglichkeiten in diesem Moment so begrenzt sind.
Natürlich kann ich einem Menschen einen Euro geben. Oder zehn Euro. Ich kann etwas zu essen kaufen oder für einen kurzen Moment unterstützen. Aber ich weiß gleichzeitig, dass ich damit nicht das eigentliche Problem löse.
Und selbst etwas, das ich beruflich anbieten kann, hilft in solchen Situationen oft nicht weiter. Ich kann einem Menschen nicht einfach mein Coaching-Angebot ans Herz legen, wenn ich gleichzeitig weiß, dass möglicherweise weder die finanziellen Mittel noch ein zuverlässiger Zugang zum Internet vorhanden sind.
Das tut mir immer wieder weh.
Ich kann weitergehen. Diese Menschen bleiben.
Und dann gab es während derselben Reise eine vollkommen andere Welt.
Meine Schwester, mein Sohn und ich waren auf einem Konzert.
Dort waren Menschen völlig unterschiedlichen Alters zusammengekommen. Sie hörten dieselbe Musik und waren einfach glücklich.
Mein neun Jahre alter Sohn war genauso selbstverständlich Teil dieses Abends wie eine 71-jährige Dame, die ihr Enkelkind auf das Konzert begleitet hatte.
Es war vollkommen egal, wie alt jemand war, wie jemand aussah oder welchen Hintergrund jemand hatte.

Für diesen Moment verband alle Menschen etwas miteinander:
Musik.🎼🎶
Genau dieses Gefühl hatte ich eine Woche später erneut auf dem Festival-Mediaval.
Für meinen Sohn und mich ist dieses Mittelalter- und Musikfestival jedes Jahr ein Highlight. Und jedes Mal fühlt es sich ein bisschen so an, als würde man nach Hause kommen.
Als würde man ein kleines Dorf betreten, in dem jeder so sein darf, wie er sein möchte, verbunden durch Musik und gemeinsame Interessen.

Dort begegnen sich Menschen aller Altersstufen, Singles und Familien mit Kindern, Menschen mit und ohne Behinderung und Menschen mit vollkommen unterschiedlichen Lebenswegen und Hintergründen. Manche kommen in aufwendiger Gewandung, andere ganz selbstverständlich in ihrer Alltagskleidung. Was jemand beruflich macht, wie viel Geld jemand hat, wie jemand lebt oder aussieht, spielt dabei keine Rolle. Niemand muss einem bestimmten Bild entsprechen, um Teil davon zu sein.
Man gehört einfach dazu.
Genau dieses Gefühl verbindet für mich die beiden Veranstaltungen, die ich in den vergangenen Wochen besucht habe: das Konzert in Berlin und das Festival-Mediaval.
Auch auf dem Konzert in Berlin sprach der Sänger auf der Bühne darüber, dass jeder von uns genauso richtig ist, wie er ist.

Wir sollten uns nicht durch unsere Umwelt verbiegen lassen, wenn wir uns richtig fühlen, wie wir sind. Wir sollten uns nicht einreden lassen, dass etwas an uns falsch ist, nur weil andere Menschen es vielleicht anders sehen. Und jeder Mensch sollte lieben dürfen, wen er liebt. 🏳️🌈🏳️⚧️💜
Diesen Gedanken finde ich unglaublich wichtig.
Allerdings möchte ich an dieser Stelle noch etwas hinzufügen.
Wenn wir selbst das innere Bedürfnis haben, etwas zum Positiven verändern zu wollen, dann ist auch Veränderung etwas Gutes. Wenn wir zum Beispiel einen Lebensstil führen, der uns schadet, oder mit unserer Lebenssituation unzufrieden sind, dann kann es richtig und wichtig sein, einen anderen Weg einzuschlagen.
Das bedeutet nicht, dass wir als Menschen falsch sind.
Es bedeutet lediglich, dass es Lebenssituationen oder Gewohnheiten geben kann, die uns nicht guttun und die wir ändern dürfen.
Die Menschen, denen ich auf den Straßen Berlins begegnet bin, sind nicht falsch. Aber ihre derzeitige Lebenssituation kann ihnen schaden und etwas sein, das sie vielleicht gerne verändern würden.
Wir dürfen uns entwickeln. 🌱
Wir dürfen Dinge hinterfragen.
Wir dürfen alte Wege verlassen und neue ausprobieren.
Aber wir dürfen genauso gut Dinge an uns behalten, die andere vielleicht ungewöhnlich finden.
Nicht alles, was anders ist, ist falsch. Ganz im Gegenteil. Gerade dadurch, dass wir alle unterschiedlich sind und uns gegenseitig so akzeptieren, wie wir sind, kann etwas entstehen wie auf dem Konzert oder dem Festival-Mediaval: ein bunter, vielfältiger Haufen von Menschen, in dem jeder Einzelne ein Teil des Ganzen ist und eine weitere Facette des Lebens widerspiegelt.

Nicht alles, was verändert werden kann, muss verändert werden.
Du darfst dich verändern, wenn du selbst spürst, dass eine Veränderung dir guttut. Solltest du dabei Unterstützung benötigen, stehe ich selbstverständlich gerne an deiner Seite. 🤗
Denn ich bin zurück aus meinem Urlaub und vielleicht ist genau das der Gedanke, den ich daraus mitgenommen habe:
Wir dürfen so sein, wie wir sind.
Schön, dass es dich gibt und dass du auf meine Seite gefunden hast. 🌸




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